BESS-Leistung und Speicherkapazität

Batteriespeicher dimensionieren:
Leistung und Kapazität richtig bestimmen.

Leistung und Kapazität beschreiben unterschiedliche Eigenschaften eines Batteriespeichers. Beide müssen aus Speicheraufgabe und zeitlichem Verlauf abgeleitet werden.

Leistung bestimmt, wie stark das BESS gleichzeitig laden oder entladen kann. Kapazität bestimmt, wie lange die benötigte Energiemenge grundsätzlich bereitgestellt werden kann.

Nennwerte allein reichen nicht aus. Ladezustandsfenster, Wirkungsgrad, Reserve, Degradation und Nachladebedingungen verändern die reale Dimensionierung.

Kurzantwort: Welche Speichergröße wird benötigt?

Die erforderliche Leistung ergibt sich aus der gleichzeitig zu bewältigenden Lade- oder Entladeaufgabe.

Die Kapazität ergibt sich aus Leistung und Dauer, korrigiert um Ladezustandsfenster, Verluste, Reserven und Alterung.

Die sechs Grundgrößen der BESS-Dimensionierung

Eine belastbare Auslegung verbindet Leistung, Energiemenge, Einsatzdauer und reale Betriebsgrenzen.

Speicherleistung

Die Leistung in kW oder MW beschreibt, wie viel elektrische Leistung das BESS gleichzeitig aufnehmen oder abgeben kann.

Speicherkapazität

Die Kapazität in kWh oder MWh beschreibt die Energiemenge, die theoretisch im Batteriesystem gespeichert werden kann.

Nutzbare Energie

Ladezustandsgrenzen, Reserven, Wirkungsgrad und Alterung reduzieren die Energie, die für die konkrete Aufgabe verfügbar bleibt.

Ladeleistung

Die Ladeleistung bestimmt, wie schnell der Speicher zwischen zwei Einsätzen wieder einen ausreichenden Ladezustand erreicht.

Entladeleistung

Die Entladeleistung muss zur Verbrauchs- oder Netzaufgabe passen und innerhalb der zulässigen Batteriegrenzen verfügbar sein.

Einsatzdauer

Erst die Verbindung aus erforderlicher Leistung und zeitlicher Dauer beschreibt die grundlegende Energieanforderung.

Der Einsatzfall bestimmt das Verhältnis von Leistung und Kapazität

Peak Shaving

Kurze hohe Lastspitzen können eine hohe Entladeleistung bei vergleichsweise begrenzter Kapazität verlangen.

PV-Eigenverbrauch

PV-Überschüsse benötigen passende Ladeleistung. Der spätere Verbrauch bestimmt Entladeleistung und nutzbare Kapazität.

Anschlussleistung stützen

Ein zeitlich begrenzter Netzengpass verlangt ausreichend Leistung, Energie und belastbare Nachladefenster.

Strombezug verschieben

Preisoptimierung hängt von Lade- und Entladefenstern, Preisunterschieden, Verlusten und Durchsatz ab.

Betriebliche Reserve

Eine vorgehaltene Reserve reduziert den Ladezustandsbereich, der für andere Anwendungen genutzt werden kann.

Mehrfachnutzung

Mehrere Aufgaben greifen auf dieselbe Leistung, Kapazität und Reserve zu und benötigen klare Prioritäten.

Leistung mal Dauer ist erst der idealisierte Energiebedarf

Eine Leistung von 1 MW über eine Stunde entspricht rechnerisch einem Energiebedarf von 1 MWh.

Daraus folgt noch keine reale Speichergröße. Verluste, Ladezustandsgrenzen, Reserven und Alterung müssen zusätzlich berücksichtigt werden.

Welche Daten vor der Dimensionierung benötigt werden

Aufgelöster Lastgang

Der Lastgang zeigt Höhe, Dauer, Zeitpunkt und Wiederholung der Leistungsanforderung.

Erzeugungsprofil

Bei PV muss bekannt sein, wann und mit welcher Leistung Energie zur Speicherung verfügbar ist.

Ladefenster

Zwischen zwei Einsätzen müssen Zeit, Energie und freie Anschlussleistung für das Nachladen bestehen.

Betriebsprioritäten

Es muss feststehen, welche Aufgabe Vorrang hat und welche Reserven für andere Anwendungen bleiben.

Zukünftige Lasten

Neue Produktion, Ladeinfrastruktur, Wärme, Kälte und Elektrifizierung verändern die spätere Auslegung.

Netz- und Anlagenlimits

Netzanschluss, Transformator, Schaltanlage, Kabel und PCS können die nutzbare Leistung begrenzen.

Von der Nennkapazität zur nutzbaren Energie

Die tatsächlich verfügbare Energie entsteht erst nach Berücksichtigung sämtlicher technischer und betrieblicher Grenzen.

Ladezustandsfenster

Die Batterie wird häufig nicht zwischen vollständig leer und vollständig voll betrieben.

Systemwirkungsgrad

Umwandlung, Speicherung, Klimatisierung und Eigenbedarf reduzieren die entnehmbare Energie.

Leistungsgrenzen

Batterie, PCS, Transformator und thermische Bedingungen können Lade- und Entladeleistung begrenzen.

Degradation

Kalenderalterung, Zyklen, Temperatur und Betrieb reduzieren Kapazität und Leistung über die Laufzeit.

Betriebliche Reserve

Für Prognoseabweichungen, Störungen oder weitere Aufgaben kann Kapazität bewusst reserviert bleiben.

Verfügbarkeit

Wartung, Störungen, Software und Sicherheitszustände beeinflussen die tatsächlich verfügbare Leistung.

Nennkapazität, nutzbare Kapazität und entnehmbare Energie sind nicht identisch

Die Nennkapazität ist eine Ausgangsgröße. Das Ladezustandsfenster begrenzt die nutzbare Kapazität.

Verluste und Eigenbedarf reduzieren anschließend die Energiemenge, die der Standort tatsächlich verwenden kann.

Die C-Rate richtig einordnen

Die C-Rate beschreibt das Verhältnis zwischen Leistung und Kapazität. Die Eignung ergibt sich erst aus Einsatzfall und Betriebsgrenzen.

0,5 C

Die Leistung entspricht rechnerisch der Hälfte der Kapazität. Die idealisierte Entladedauer beträgt etwa zwei Stunden.

1 C

Leistung und Kapazität entsprechen einander zahlenmäßig. Die idealisierte Entladedauer beträgt etwa eine Stunde.

2 C

Die Leistung ist doppelt so hoch wie die Kapazität. Die idealisierte Entladedauer beträgt etwa eine halbe Stunde.

Keine Auslegungsgarantie

Die C-Rate berücksichtigt weder Wirkungsgrad noch Ladezustandsfenster, Temperatur, Alterung oder Reserven.

Batterie und PCS

Die zulässige C-Rate des Batteriesystems und die Leistung des PCS müssen zusammenpassen.

Einsatzfall entscheidet

Kurze Leistungsaufgaben und längere Energieverschiebungen benötigen unterschiedliche Auslegungen.

Typische Fehlentscheidungen bei der Speichergröße

Nur Kapazität vergleichen

Eine große Energiemenge hilft nicht, wenn die benötigte Leistung nicht rechtzeitig bereitsteht.

Nur Leistung vergleichen

Eine hohe Leistung reicht nicht, wenn die Energie vor dem Ende der Aufgabe erschöpft ist.

Nennwerte vollständig ansetzen

Nennkapazität und Nennleistung stehen im realen Betrieb nicht zwingend vollständig zur Verfügung.

Jahresverbrauch verwenden

Der Jahresverbrauch beschreibt weder Leistungsspitzen noch Ladefenster oder zeitliche Verschiebungen.

Mehrfachnutzen addieren

Peak Shaving, PV-Nutzung, Reserve und Preisoptimierung können nicht unabhängig dieselbe Kapazität nutzen.

Alterung ausblenden

Eine heute passende Auslegung kann durch Degradation und veränderte Lasten später zu klein sein.

Häufige Fragen zu Leistung und Kapazität von Batteriespeichern

Ergänzend zu den Nennwerten müssen nutzbare Energie, Betriebsgrenzen und Speicheraufgabe geklärt werden.

Wie hängen Leistung und Kapazität eines Batteriespeichers zusammen?

Leistung beschreibt, wie viel Energie pro Zeit aufgenommen oder abgegeben werden kann. Kapazität beschreibt die gespeicherte Energiemenge. Erst der konkrete zeitliche Verlauf zeigt, welches Verhältnis benötigt wird.

Ist Leistung multipliziert mit Dauer gleich der benötigten Speicherkapazität?

Das Ergebnis beschreibt zunächst den idealisierten Energiebedarf. Ladezustandsgrenzen, Wirkungsgrad, Reserven, Degradation und Betriebsgrenzen müssen zusätzlich berücksichtigt werden.

Warum reicht die Nennkapazität für die Dimensionierung nicht aus?

Die Nennkapazität steht nicht vollständig zur Verfügung. Nutzbares Ladezustandsfenster, Verluste, Alterung, Temperatur und Reserven bestimmen die tatsächlich verwendbare Energiemenge.

Die Dimensionierung aus der Speicheraufgabe ableiten

Lastgang, Erzeugungsprofil, Einsatzdauer, Ladefenster und Betriebsprioritäten bilden die Grundlage.

Erst danach können Batteriesystem, PCS, EMS und elektrische Einbindung belastbar festgelegt werden.